Tai Chi Formen

Langstock

 Die Langstock-Form im Tai Chi wird gelehrt, weil der Stock mit seinen beiden Enden die Yin- und Yang-Aspekte besonders deutlich verkörpert. Der Langstock steht symbolisch für den Drachen (Long / 龍). Im Training stärkt er die Fähigkeit, Gewicht zu tragen und zu balancieren, und verbessert die Koordination von Armen, Händen, Beinen und Füßen. Dadurch entwickelt sich ein stabiler und sicherer Stand. 


 In der Tai-Chi-Tradition existieren verschiedene Stocklängen. Der für diese Form verwendete Stock wird an die Körpergröße des Übenden angepasst und sollte im aufrechten Stand ungefähr bis zur Nasenhöhe reichen. Für den Einstieg genügt ein einfacher Holz-Besenstiel. Ursprünglich dienten Stöcke dieser Länge als Tragestöcke für Lasten, später auch als Wanderstäbe und im Notfall zur Selbstverteidigung. 
 

Drache (Long / 龍): 

  • fließende, spiralförmige Bewegungen
  • innere Kraft (Nei Jin / 內勁)
  • Verbindung von Himmel und Erde
  • flexible, kontinuierliche Körperrotation 

 

Bemerkung:

 Wir üben mit dem Langstock ausschließlich eine Solo-Form. Es geht während des Trainings keineswegs darum, irgendjemanden oder irgendetwas zu schlagen. 





Liu He Ba Fa (六合八法)

 

六合 (Liu He) bedeutet „Sechs Harmonien“ und beschreibt das Zusammenspiel von inneren und äußeren Aspekten des Körpers.
八法 (Ba Fa) bedeutet „Acht Methoden“ und steht für grundlegende strategische Prinzipien der inneren Kampfkunst.


Diese Kunst ist eine eigenständige innere Stilrichtung und entstand aus den Techniken der drei großen inneren Kampfkünste:

  • Xing Yi Quan
  • Tai Chi Chuan
  • Bagua Zhang


Typisch für Liu He Ba Fa sind das ausgeprägte Öffnen und Schließen in bestimmten Formbildern, das Nutzen von Gegenläufigkeit, um Kraft zu speichern und wieder abzugeben, sowie eine starke Bewegungsführung aus der Körpermitte.

Die Bewegungen des Liu He Ba Fa sind dem Wasserelement zugeordnet:

  • Das starre, fest geformte Eis entspricht den schnellen, explosiven Bewegungen des Xing Yi Quan.
  • Das weiche, frei fließende Wasser steht für die sanften, runden Bewegungen des Tai Chi Chuan.
  • Der flüchtige, formlose Wasserdampf spiegelt die wirbelnden, schnell kreisenden, schlangenartigen und oft schwer nachvollziehbaren Bewegungen des Ba Gua Zhang wider.


Tai Chi Kung (Qi Gong / 氣功)

氣 (Qi) steht für Energie,
功 (Gong / Kung) für Arbeit.
QiGong bedeutet somit vereinfacht „Energiearbeit“.

Im Tai Chi Qi Gong bilden Bewegungsprinzipien und Abläufe aus dem Liu He Ba Fa die Grundlage. Tai Chi Qi Gong kann eigenständig – also ohne Tai-Chi-Vorkenntnisse – geübt werden, oder als Vertiefung dienen, um das Liu He Ba Fa besser zu verstehen und feiner wahrzunehmen.

Übungen im Qi Gong

Qi Gong-Übungen orientieren sich stark an der Natur und tragen daher oft poetische Namen wie „Stehen wie eine Kiefer“. Der Übende nimmt in seiner Vorstellung die Haltung eines Tieres ein – etwa „Der weiße Kranich breitet seine Flügel aus“ – oder verbindet sich geistig mit natürlichen Bildern, etwa einer fest verwurzelten Kiefer.

Jede Übung besitzt eine spezifische Wirkung auf die Lebensenergie Qi.

Qi Gong soll das Qi vermehren, harmonisieren und in Fluss bringen. Es fördert die Gesundheit, stärkt das seelische Gleichgewicht und entwickelt innere Ruhe.

Entscheidend ist daher, die Bewegungen präzise auszuführen und sie mit der Atmung zu verbinden.

Erst wenn das Wasser zur Ruhe kommt,
kannst du dein Spiegelbild sehen.