Tai Chi Philosophie

 Wer Tai Chi übt, 
 wird stark wie ein Holzfäller, 
 geschmeidig wie ein kleines Kind 
 und gelassen wie ein Weiser. 
 (Chinesisches Sprichwort)

Tai Chi 

Tai Chi lautet wörtlich übersetzt: Tai = groß und Chi = Firstbalken. 
Diese wörtliche Übersetzung kann aus der chinesischen Mythologie heraus erklären werden. In den Anfängen der chinesischen Kultur glaubte man, dass die Welt eine viereckige Scheibe ist, über die der Himmel als große Halbkugel gestülpt war. 
Der Himmel wurde in der Vorstellung durch eine riesige Balkenkonstruktion gestützt, damit
der Himmel nicht zur Erde stürzt. Der Firstbalken war der zentrale Punkt in dieser Konstruktion und verband gleichzeitig den Himmel und die Erde. 
Später wurde der Begriff deshalb der gängige Ausdruck für die Verbindung zwischen Erde und Himmel. Tai Chi steht auch als Sinnbild für den harmonisch in seiner Mitte (dem „Tao“) ruhenden Menschen, der mit den Füßen fest verwurzelt in der Erde steht und dessen Kopf in die Wolken reicht.

Taoismus

Der Taoismus ist eine Philosophie deren zentraler Begriff „Tao“ ist. 
Er hat sich aus der Lehre des Weisen Lao Tse (6. Jhd. v. Chr.) und alter chinesischer Naturphilosophie gebildet. 
Der Grundstock der Lehre wurde von Lao Tse im Tao Te King als Sammlung von 80 Lehrsätzen niedergeschrieben.

Tao

Der Begriff Tao lässt sich nicht direkt übersetzen, sondern nur umschreiben. Es wird als etwas beschrieben das man in Sprache auch nicht ausdrücken kann. Es ist mit dem rationellen Geist und mit der üblichen Einteilung in gut und böse, hell und dunkel usw. nicht zu erfassen. Es kann aber mit dem intuitiven Geist begriffen werden.

Lao Tse hat es im Tao Te King so beschrieben:
 
Tao Te King, 11
Dreißig Speichen gehören zu einer Nabe,
doch erst durch das Nichts in der Mitte
kann man sie verwenden;
man formt Ton zu einem Gefäß,
doch erst durch das Nichts im Innern
kann man es benutzen;
man macht Fenster und Türen für das Haus,
doch erst durch ihr Nichts in den Öffnungen
erhält das Haus seinen Sinn.

Somit entsteht der Gewinn
durch das, was da ist,
erst durch das, was nicht da ist.

Tao Te King, 4
Das Tao ist wie ein leeres Gefäß,
man schöpft aus ihm,
doch es bleibt unerschöpflich.
Es ist ein Abgrund,
der Ursprung aller Dinge.
 
Lao Tse hat den Ursprung des „Tao“ wie folgt beschrieben:

Tao Te King, 1
Der Weg, der beschrieben werden kann
ist nicht der ewige Weg
Der Name, der genannt werden kann
ist nicht der ewige Name

 


Liu He Ba Fa

 

Ist die Bezeichnung für eine außerhalb Chinas kaum bekannte innere Kampfkunst. 


六合 (Liu He): Bedeutet "Sechs Harmonien" und bezieht sich auf innere und äußere Übereinstimmungen im Körper.
八法 (Ba Fa): Bedeutet "Acht Methoden" und beschreibt die strategischen Prinzipien der Kampfkunst. 


Über die Entstehung gibt es unterschiedliche Aussagen:
Der Sage nach wurde diese innere Kampfkunst-Methode in China während der Song-Dynastie (960-1279 n.Ch.) von einem daoistischen Mönch mit dem Namen Chen Tuan entwickelt. Das tatsächliche Alter dieser Kampfkunst und wer sie tatsächlich geschaffen hat, ist unbekannt.

Historisch gesichert ist:

  • dass der Meister Wu Yi Hui (1887–1961) diese anspruchsvolle Kampfkunst erstmals gegen Ende der 1930er Jahre in Shanghai öffentlich zu unterrichten begann.
  • dass die Meister Zhang Wan Fu († 2012) und He Lin Qingdao († 2004) die Basis der aktuellen Liu He Ba Fa Form aus dem Tai Chi Chuan, dem Xing Yi Quan und Bagua Zhang entwickelten.


Liu He Ba Fa

verbindet die Vorzüge des QiGong und anderer innerer Kampfkünste. 
In den Bewegungen verschmelzen die kreisförmigen Bewegungen des Tai Chi Chuan mit den spiralförmigen, schnellen Drehungen des Bagua Zhang und den direkten geraden Attacken des Xing Yi Quan. 

Liu He Ba Fa steht für das Element Wasser, es kombiniert den stillen See mit hartem Eis, flüchtigem Dampf oder ziehenden Wolken.

Alle Bewegungen sind gekennzeichnet durch Eleganz, Leichtigkeit und Stabilität. 
An Anfang werden die Bewegungen in der Form immer gleichmäßig fließend und ruhig durchgeführt. 

Für Anfänger ist Liu He Ba Fa ein wahrer Schatz, da es den ganzen Körper gleichermaßen kräftigt und geschmeidig macht. Es werden nicht nur die Muskeln, Bänder, Faszien und Knochen, sondern auch die inneren Organe trainiert.

In der fortgeschrittenen Ausübung der Form wechselt das Tempo, mal ist es zeitlupenartig langsam, mal ist es blitzartig schnell und dann wieder wie ruhig fließendes Wasser. Die Figuren wechseln dann auch zwischen drei unterschiedlichen Standhöhen.

Die Form besteht aus 66 Figuren in der Liu He Ba Fa Form gibt es keine Wiederholung von Techniken, wie in anderen Formen, zum Beispiel dem Tai Chi Chuan, dafür sind die Figuren komplexer.

Je nach Zählweise kommt die vollständig korrekt durchgeführte Form auf 300 bis 700 sich nicht wiederholende Techniken in 66 Figuren.

Niemand beschreibt Liu He Ba Fa besser als Lao Tse als er schrieb:

 
„Nichts in der Welt – 
ist nachgiebiger und weicher als Wasser. 
Doch nichts – 
ist besser um Hartes und Starkes zu überwinden  
Das Weiche überwindet das Harte  
das Schwache überwindet das Starke. 


Yin und Yang 

Die Philosophie von Yin und Yang ist wahrscheinlich 5000 - 6000 Jahre alt und beschreibt die grundlegende chinesische Lebensauffassung, dass alles immer aus zwei Gegenpolen besteht. Beide Pole sind gleich wichtig und sind im Idealfall ausgeglichen und harmonieren miteinander.

Lao Tse hat es im Tao Te King so beschrieben:

Tao Te King, 2
Unter diesem Himmel
können alle Menschen das Schöne als schön erkennen,
denn es gibt ja auch das Hässliche;
alle Menschen können das Gute als gut erkennen,
denn es gibt ja auch das Böse.
Sein und Nichtsein erzeugen einander,
Schwieriges und Einfaches ergänzen sich,
lang und kurz gestalten einander,
hoch und tief streben zueinander,
Stimme und Klang harmonieren miteinander,
Vorderseite und Rückseite folgen einander
Alle Gegenpole befinden sich in einem fortwährenden Zustand der Bewegung und Veränderung. 

Yin und Yang

Der obere Pol wird "Yang" genannt, was so viel wie „Sonnenseite des Berges“ bedeutet.
Yang ist Aktivität und Bewegung, es ist die Energie in allem. Ohne Yang ist alles tot und leer und das Yin ohne Leben. 
 
Der Gegenpol wird Yin genannt, was so viel wie "Schattenseite des Berges" bedeutet. 
Yin ist fest, starr und unbewegt damit reine unbewegte Materie. Yin ist die Basis von allem. Ohne Yin hat das Yang keine Aktionsmöglichkeiten und verpufft ohne Wirkung im Leeren.
 
Yin und Yang streben immer den harmonischen Ausgleich der beiden Kräfte an. Das heißt, wenn etwas im Yang Zustand ist, strebt es automatisch dem Yin zu und umgekehrt.

Tai Chi 

Tai Chi basiert auf der Energie der nach Ausgleich strebenden Kräfte des Yin und Yang.
Deshalb haben Tai Chi Bewegungen immer einen Yang und Yin Anteil.
Dieses Prinzip kommt in den Gewichtsverlagerungen des Tai Chi voll zum Tragen.

Beispiel: 
Nur wenn der vordere Fuß einer nach vorne gehenden Yang Bewegung wirklich voll belastet ist, wird der hintere Yin Fuß frei - und kann somit einen Schritt nach vorne machen. Wenn dann das Gewicht auf den jetzt vorderen Fuß verlagert wird, wird aus dem vormaligen Yin Fuß ein Yang Fuß und man hat das Zusammenspiel von Yin und Yang verwirklicht und kann sich so fortbewegen.